Der Pumpenbauer

von Stefan Berendes

erschienen in Kommunikaze 37, viertes Quartal 2010

„So, dann woll’n wir mal.“
Die Stimme dröhnt unvermittelt ins vormittägliche Gartenidyll. Ich weiß nicht warum.
„Ich bin schon 70 Jahre. Das hätten Sie nicht gedacht, oder? Dafür bin ich noch gut zu Fuß!“
Der Mann ist wirklich ohrenbetäubend laut. Ich kann ihn nicht sehen, ich weiß nicht, was er will. Beide Defizite gleicht er durch größere Lautstärke aus. Der lauteste Mann Europas, zu Gast im Nachbargarten.
„Ich hör’ nur nicht mehr so gut. Meine Hörgeräte habe ich extra zuhause gelassen, damit die nicht nass werden. Ich hatte nämlich einen Hörsturz gehabt.“
Aha.
„Also wir machen das so: Ich schließe das gleich hinten an, und meine Tochter – das ist die Birgit, das ist meine Tochter – die guckt dann hier vorne nach, ob was kommt. Aber irgendwas kommt immer.“
Der Mann will eine neue Pumpe installieren. Die ist in ländlichen Gegenden Pflichtprogramm, zum Beispiel, um den eigenen Garten zu bewässern. Vor allem aber, um die Nachbarn mit mehrstündigen Lärmorgien zu drangsalieren. Insofern passt es ganz gut, dass der Mann, der die Dinger installiert, ebenso laut ist wie seine Kreationen.
„…und dann kann Ihr Sohn, der ist doch handwerklich begabt, Ihr Sohn, dann kann der hier noch einmal so durch die Wand und dann untendurch. Und dann läuft das. Und dann kommt auch was.“
Das leuchtet ein.
„Und wenn dann was ist, dann rufen Sie mich einfach an, dann komme ich vorbei, das mache ich als Service und dann…“
Vielleicht ist es gut, dass er diesen Satz nicht zu Ende spricht.
„Birgit, jetzt pack’ mal an hier. So, nun geit dat achtern los!“
Der Bohrer gräbt sich mahlend ins Erdreich, in meine Hirnrinde. Über dem Lärm höre ich nur den Mann:
„Ich habe ja auch ein künstliches Hüftgelenk jetzt, wegen meinem Sprunggelenk. Birgit, kommt schon was?“
Es kommt noch nichts.
„Ouh, Birgit, das is’ schlecht! Da musst Du doch aufpassen, hier! Das ist doch Deine Sache! Ich hab’ auch noch eine jüngere Tochter.“
Klingt so, als sei Birgit in der Thronfolge des Pumpenimperiums gerade eine Stelle nach unten gerutscht.
„So, jetzt leg’ den Schlauch mal hin da. Man muss immer gucken, ob was kommt. Ich hatte mal so einen 12jährigen, das war ein richtiger Rotzebengel, und dann hatte der auch gleich den Schlauch in der Hand. Und dann hab’ ich gesagt: ‚Guck mal, ob auch was kommt!’ Und dann hat er in den Schlauch geguckt, und ich hab’ dann hinten richtig Gas gegeben. Und dann kam aber was. Kommt schon was?“
Es kommt noch nichts.
„Ich bin ja auch nur dummer Achmeraner. Birgit, hältst Du fest?“
„Ich halt’ fest.“

Und dann kommt endlich was.
schlauch.jpg