Nach der studentischen Zeitschrift Kommunikaze (wir berichteten) wird nun auch der Berliner Bezirk Neukölln Opfer der globalen Finanzkrise. Neu-Neuköllner Nehren: „Keine Frage, sicherlich. Die migrantischen Communities haben ein sehr feines Gespür dafür, was in ihrer Heimat so abgeht und importieren das dann auch hier her.“ Dies bedeutet Oberwasser für jene Straßengangs, deren Länder weniger betroffen sind vom Crash. Nehren: „Die Polen etwa stehen gut da, haben kaum Einbußen hinnehmen müssen. Auch der starke Yen macht sich bemerkbar, die japanischen Kids kaufen gerade was das Zeug hält, haben allerdings Probleme beim Absatz.“ Ganz schlimm sieht es für die isländischen Jugendgangs aus; Nehren: „Die sind gerade die Schießbuden des Viertels. Ihre Drogenreserven mussten sie zu Schleuderpreisen veräußern, mittlerweile haben viele sogar ihre Springmesser verhökert.“
Auch der niedrige Ölpreis schlägt durch. Für Russen und Araber stehen harte Zeiten ins Haus. Tobias Nehren runzelt die Stirn. „Schwer zu sagen, was man da raten soll. Seit der Weltmarktpreis unter 70 Dollar das Barrel gefallen ist, herrscht richtiggehend Panik bei denen.“ Eine sichtbare Auswirkung des Ölpreises: Die Banden verlegen ihre Tätigkeit wieder mehr in den Pkw. Wurde vor einem Jahr noch vorwiegend in U-Bahnen (etwa München, Kommunikaze berichtete) agiert, geht der Trend wieder hin zu Autodiebstahl, illegalen Rennen und Drive-Bys.
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