DOUR-Festival

von Friederike van Bremen | Fotos: Anil Kunnel

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Team Kommunikaze berichtet vom belgischen Dour-Festival: vier Tage, 200 Acts, sechs Bühnen, und irgendwie geht es wohl um Europa und um alternative Musik. Die Redaktion hat ihre Spione jedenfalls ausgeschickt, hier ist ihr Bericht:

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TAG 1:

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Morgens um neun werden wir von unser Osnabrücker Mitfahrgelegenheit am Münsteraner Bahnhof abgeholt und treten unsere Reise ins belgische DOUR zum gleichnamigen Festival an – mit viel Vorfreude, aber auch mit den Bedenken, ob das Wetter halten wird. Nach fünf Stunden Autofahrt durch Deutschland, Holland und Belgien kommen wir in Dour, welches nicht weit von Lille in Frankreich und Mons in Belgien entfernt liegt, an. Der Himmel sieht düster aus, aber es regnet immerhin nicht. Unsere Gummistiefel haben wir vorsichtshalber schon an. Mit dem VIP-Shuttle werden wir von der Bändchenausgabe zum Helfer- und Presse-Campingplatz direkt hinter der Hauptbühne gefahren. Nach dem Zeltaufbau geht es schnell aufs Gelände und in den Pressebereich, in dem die Belgier uns sehr nett und hilfsbereit empfangen. Der erste Act, den wir uns an diesem Tag ansehen, sind die französischen Teenagers, die mittlerweile in London leben und deren Musik als Electro-Dance bezeichnet werden kann. Wir erwarteten einiges und werden enttäuscht; keine wirkliche Stimmung auf und vor der Bühne. The Whitest Boy Alive, mit Frontmann Erland Oye (kennt man noch von den Kings of Convenience) können uns mehr begeistern, und die Gummistiefel können endlich eingetanzt werden.

Erstaunlicherweise bleibt es weiterhin trocken. Nach dem Auftritt geht es zurück ins Press Office, um Interviews an Land zu ziehen bzw. ein paar Bands persönlich zu treffen und um Fotos zu schießen. Unser Leitmotiv für das Dourfestival sind Seifenblasen bzw. Menschen und Seifenblasen. Wer möchte, kann dies als Metapher für Verbindung zwischen Bühne und Publikum, Künstler und Besucher, sehen. Die Nacht in Dour gehört den DJs. Mittlerweile hat es leicht geregnet, sodass die Investition in Gummistiefel sich schon gelohnt hat. Allerdings kann man dem leichten Regen entfliehen, denn das Schöne am Dour: Vier der sechs Bühnen sind überdacht. Als die französische DJ-Gruppe Birdy Nam Nam, später auf der kleinen Bühne dann nochmal als Birdy Harders, auflegt, ist der Schauer längst passé, und die Menge feiert die vier DJs, die ihre Turntables auf der Hauptbühne aufgebaut haben. Auf den meisten Bühnen und davor herrscht Hochbetrieb bis morgens um fünf, und wir können beim Einschlafen noch ein paar DJ-Sets lauschen.

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TAG 2:

Der zweite Tag auf dem Dour gehört Hardcore und Hip Hop. Es treten an diesem Tag u.a. Life of Agony, der Wu Tang Clan und Ice Cube auf. Dem echt freundlichem Ice Cube alias O´Shea Jackson können wir vor seinem Auftritt ein paar Fragen stellen und erfahren, dass er wirklich gerne mal die Rolle des B.A. Barracus im A-Team spielen würde. Parallel zu seinem Auftritt am Abend treten the Notwist aus Weinheim auf, von deren Auftritt mir begeistert berichtet wird. Ich befinde mich wieder im Pressebereich, um mich mit dem französischen DJ Surkin alias Benoit Heitz über den Übergang vom Designstudentendasein zum DJ-Dasein und den Unterschied zwischen französischer und deutscher Elektroszene zu unterhalten. Grobes Fazit: DJ-Dasein ist natürlich auch eine Form von Kunst, und mit den deutschen Boys Noize (auch auf dem Dour) hat Benoit schon zusammen gearbeitet und ist mit ihnen befreundet; französische und deutsche Elektroszene wachsen übrigens zusammen. The Battles und Roni Size kann ich mir dann wieder live ansehen.


Von den Battles aus New York, die ich zuvor gar nicht kannte, aber auf Empfehlung unserer Mitfahrgelegenheit (danke an dieser Stelle nochmal an Martin) ansehe, bin ich ziemlich begeistert. Ihre Musik wird in einschlägigen Musikzeitschriften als eine Mischung aus Jazz- und Funkelementen mit Klangexperimenten beschrieben. Ihr Label WARPS feiert sie bereits als „board of canada des Rock“. Ob das mit der oben genannten Musikstilbeschreibung so zusammen passt, sei mal dahingestellt.

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TAG 3:

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Für diesen Tag sind uns Wovenhand (Eugene Edwards, früher Sänger bei 16 Horsepower) empfohlen worden, und auch dieser Act ist die Empfehlung wert. Weiterhin haben überzeugt: Syd Matters (aktuell auf dem Soundtrack von „la question humaine“) und Otto von Schirach. Ich kann nur anpreisen: Otto und seine Crew, DJ Urine und der Aligator gehen ab! Unbedingt mal googlen! Aber als live Act definitiv besser als zum Anhören zu Hause. Obwohl es Otto als Künstler schon länger gibt, glaube ich, dass er Potenzial hat, in naher Zukunft das Remmi-Demmi Gehopse von Deichkind abzulösen. Geschafft von der Tanzeinlage und fasziniert von Otto und Crew, treten wir die Rückreise ins Campinglager an. Auf unserem Rückweg durch die „Schleuse“ am Zaun werden wir von einem strengen Uringeruch und der Angst, bloß den Zaun und die um ihn gespannten Plastikfolien nicht zu berühren, begleitet. Obwohl auf dem Dour eigentlich genügend Sanitäranlagen aufgestellt sind, sorgen die hygienischen Gewohnheiten einer Großzahl von männlichen Besuchern für reichlich Anreiz,  sich dem Zaun bloß nicht zu nähern.

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TAG 4:

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An diesem Tag bemerken wir, dass sämtliche Vorräte aufgefuttert und auch die Getränke ausgegangen sind. Festivalkost auf dem Gelände ist auch auf belgischen Festivals nicht gerade günstig, und so können wir uns bei den netten Belgiern und Franzosen ein wenig Wasser erschnorren. In der Gemeinschaftstiefkühltruhe auf dem Helfercampingplatz entdecken wir noch Würstchen, die wir zwei Tage zuvor dort abgelegt hatten. Da wir an diesem Tag einige Acts sehen wollen, entscheiden wir, die leckere Kost mit auf das Gelände zu nehmen; der Einweggrill macht flexibles Grillen möglich! Wir erregen Aufsehen bei anderen Festivalbesuchern, und auch das belgische Fernsehen schaut bei unserer spontanen Grillsession vor der Hauptbühne kurz vorbei. Anscheinend ist der 1,99 €-Wegwerfgrilll in Belgien nicht bekannt. Wir können euch nur empfehlen, solltet ihr im kommenden Jahr das Dour besuchen, genügend Wegwerfgrills und Seifenblasen einzupacken. Denn die Seifenblasen (ich erwähnte sie bereits zu Beginn des Berichts) kommen bei den französischen und belgischen Besuchern ebenfalls sehr gut an. An diesem letzten Festivaltag schießen wir noch einige schöne Seifenblasenbilder für unsere Fotostrecke.


Aber auch heute schauen wir uns einige sehr gute Acts an, vor allem können wir Euch die Musik der Dänen Efterklang ans Herz legen. Wir haben die Möglichkeit, uns länger mit Casper und Rasmus von Efterklang über Flugzeug statt Tourbus (Rasmus plädiert definitiv für Tourbus, da geht nicht so schnell was verloren), Filmmusik und den Auftritt im Gleis 22 in Münster zu unterhalten. Der Abend gehört dann diversen Musikern aus Schweden: Dennis Lyxén von der International Noise Conspiracy hüpft energiegeladen wie eh und je über die Bühne und durchs Publikum und kann überzeugen. The Raveonettes (ehemalige Schulkameraden von Casper) überzeugen auch, und die Shout Out Louds enttäuschen. Da ich sie schon einige Male zuvor live gesehen habe, war ich auf gute Stimmung und eine tanzende Menge vorbereitet, beides ist nicht vorzufinden. Die Band wirkt gelangweilt und könnte gut etwas von Dennis Lyxéns Energie gebrauchen. Gogol Bordells Auftritt können wir wegen Rückreise nach Deutschland nicht mehr verfolgen. Müde, aber durchaus begeistert vom Dour, kommen wir in der Nacht in Münster an.

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Das Dour ist definitiv eine Reise wert und von Münster oder Osnabrück nicht viel weiter entfernt als das Melt!-Festival in der Nähe von Dessau. Das Melt! findet zwar zum gleichen Zeitraum statt, viele der Acts treten aber ebenfalls auf dem Dour aus. Das Schöne am Dour ist die Masse unterschiedlicher Menschen, Lebenseinstellungen und Musikgeschmäcker. Trotz Allem herrscht Harmonie statt Stress.
Zwar viele Menschen, aber kein Gedränge; ein bisschen Chaos, aber trotzdem gute Laune; teilweise Sprachbarrieren und trotzdem Verständigung.
Vier Tage Festival mit über 200 Acts! Ein komplettes Festivalticket kostet 85, ein Tagesticket 45 Euro.

Alle weiteren Informationen bekommt ihr auf der Homepage: www.dourfestival.be

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