Do You Remember The First Time? (I Can't Remember A Worse Time)

von Anna Groß

erschienen in Kommunikaze 31, viertes Quartal 2008

 

„Kannst du dich erinnern als wir früher immer so Worte erfunden haben, die so ähnlich klingen, wie geil oder ficken und rauchen oder Scheiße, weil wenn man die sagt, dann wird der Mund schmutzig?“
„Nein.“
„Kannst du dich nicht erinnern? Haben wir aber. „
Sie sieht weg. In eine andere Richtung. Die Libelle. Sie trägt eine Sonnenbrille und sieht aus wie eine Libelle.
„Du hast Facettenaugen! Du siehst aus, wie eine Libelle.“
„Und du siehst aus, wie eine Karamellposaune.“
Ich wische mir die Schokolade aus den Mundwinkeln und meine Hand an dem Handtuch ab.
„Was machst du heute Abend?“
„Ich fahre mit Simone ins B52.“
„Oh Mann.“
Ich stehe auf und gehe über das Gras. Meine Oberschenkel stoßen beim Gehen aneinander. Ich weiß, sie mustert mich von hinten. Scheiß‘ auf dich und deine coolen Freunde. Etwas weiter weg habe ich Corinna und Nenne gesehen. Ihre Handtücher sind leer. Sie schwimmen gerade. Zwei große Thermoskannen und Tupperware quellen aus dem Rucksack. Ich setze mich auf ein Handtuch. Schütze meine Augen mit der Hand vor der Sonne und sehe mich um. Oben am Hang liegen David und Manuel, war ja klar. Über den Schotterweg kommt ein blondes Mädchen mit einem angemalten Fahrrad auf mich zu gefahren. Cooles Kleid, denke ich. Hellrosa mit roten Blumen drauf. Ganz schön kurz, denke ich. Beim Näherkommen erkenne ich Katti. Sie bremst scharf. Turnschuhe ohne Socken landen auf den Kiesweg. Sie schmeißt das Fahrrad hin und läuft auf mich zu. Sie lacht. Hallo! Lässt sich auf den Rasen fallen, ohne Handtuch und nimmt die Sonnenbrille ab. Sie kommt direkt aus der Schule und will jetzt in Unterwäsche schwimmen. Hat aber einen Kassettenrekorder dabei. Sie plappert die ganze Zeit. Wir haben uns lange nicht gesehen. Ich hatte so eine Karen – Phase. Ich frage, ob sie weiß, wo Cori und Nenne sind. Weiß sie nicht. Sie schenkt mir einen megacoolen Anstecker mit einem Revolver drauf. Von einem Hardcorelabel aus München ist der. Die Musik ist sehr laut. Die Leute beobachten uns. Katti riecht wie eine Kokosnuss. Ich glaube, sie wusste nicht, dass Nenne und Cori hier liegen. Sie hat nur mich gesehen. Wir gehen uns ein Eis kaufen. Katti sagt, kommst du mit aufs Klo, ich zeig dir was. In der Kabine holt sie eine Blechschachtel aus ihrer Handtasche und öffnet sie. Ein großes, braunes Stück liegt darin. Keine Schokolade.
Was zum?! Sie fragt mich, ob wir das heute Abend probieren wollen, vor der Schulparty.
Ich erkenne die Feierlichkeit des Augenblickes an. Ich bin noch nicht 15. Cool. Ich sage ihr, dass hier später ganz viele grillen und wir vorher nicht nach Hause fahren müssen. Sie nickt. Wir gehen raus, an den Spiegeln vorbei. Sie hält mich fest und guckt in den Spiegel.
Wie schön wir beide aussehen.
Ich gucke weg und werde rot.

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