Dichte Lesung

von Finn Kirchner

erschienen in Kommunikaze 31, viertes Quartal 2008

 

Vor Leuten gelesen; Angst: verlesen.
Verlesene Texte, zu Ende, abgehakt halb nackt emotional.
Blätter leer gelesen, entblättert, Flasche voll gewesen, gebechert.
Nach mir der Nächste, ein Dichter, auch ich immer dichter-
Blamage?

Ich las Prosa, er liest Gedichte,
meine warn rosa, seine sind schwer-
starbeit. Ich sollte in Versen schreim,
frei sein ganz ohne Reim-
Privileg?

Die Frauen finden auch ihn scheiße,
scheiße gut? Nein, scheiße scheiße-
Ihm ist es egalitär, zweite Lesung am Abend,
er weißweint, ich dritte biernomische Formel.
Narziss?

Mikrofondor aus der gebundenen Essensausgabe für literarisch Arme
und Beine ohne Reime. Kehrt Bettlerinnen nach Außen.
Auch in Gedichten sind Innereien ekelig-
die durch un-Dichter Stellen nach außen quellen.
Versdarm?

Ich scheiterte, er heiterte nur sich selbst.
Verformte Selbstverehrung in Versform,
doch ohne Reim, nur mit pein
licher Berührung der nicht Berührten.

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